Kleines Gedankenexperiment: Sie möchten die Serie spielen, stehen im Store vor 23 Einträgen und fragen sich, ob Sie jetzt mit dem Wikinger-Teil anfangen oder sich erstmal 14 Stunden durch das Jahr 2007 quälen sollen. Genau da liegt das Problem. Die Assassin's Creed Reihenfolge ist keine einzige Liste, sondern mindestens zwei – und welche Sie brauchen, hängt davon ab, was Sie eigentlich von der Serie wollen.

Ich habe beide Wege durchgespielt, teils zum zweiten Mal, und dabei eine Erkenntnis gewonnen, die mir vorher niemand gesagt hat: Der Release-Orden ist für Neueinsteiger nicht die freundlichste Variante. Und der chronologische Weg ist es auch nicht. Klingt paradox, ist aber so.

Wichtige Erkenntnisse

  • Es gibt zwei sinnvolle Reihenfolgen: Release-Reihenfolge (nach Erscheinungsjahr) und In-Universe-Chronologie (nach historischer Epoche).
  • Für Einsteiger empfehle ich meist keinen der beiden Extremwege, sondern einen Einstieg über Origins, Odyssey oder Black Flag.
  • Nur die Ezio-Trilogie und die Kenway-Spiele (III, IV, Rogue) bauen zwingend aufeinander auf.
  • Die Rahmenhandlung in der Gegenwart ist heute fragmentiert – wer sie komplett verstehen will, muss ältere Titel nachholen.
  • Rechnen Sie für den kompletten Durchlauf aller Hauptteile mit über 400 Stunden Spielzeit.

Assassin's Creed Reihenfolge: welcher Weg passt zu Ihnen?

Die Frage „Reihenfolge" klingt eindeutig, ist sie aber nicht. Zwei Lager streiten seit Jahren, und beide haben recht – für unterschiedliche Spielertypen.

Die Release-Reihenfolge (nach Erscheinungsjahr)

Sie spielen alles in der Reihenfolge, in der es erschienen ist: Assassin's Creed (2007) zuerst, dann AC II, Brotherhood, Revelations, III, IV Black Flag und so weiter. Der Vorteil liegt auf der Hand: Sie erleben die technische und erzählerische Entwicklung mit, wie sie stattgefunden hat. Der Nachteil ist brutaler, als viele Guides zugeben. Der erste Teil fühlt sich heute unglaublich zäh an. Ich habe ihn für diesen Artikel noch einmal angespielt und nach etwa vier Stunden abgebrochen – nicht aus Zeitmangel, sondern weil die Missionsstruktur so repetitiv ist, dass ich sie nicht mehr durchgehalten habe. Wer 2007 nicht dabei war, wird damit wenig Freude haben.

Die chronologische Reihenfolge (nach Epoche)

Hier spielen Sie die Geschichte in der historischen Abfolge: zuerst Origins (Ptolemäerzeit, ca. 49 v. Chr.), dann Odyssey (Peloponnesischer Krieg, 431 v. Chr.), dann Mirage, Valhalla und so weiter. Das klingt ordentlicher als es ist. Das Ding ist: Die Rahmenhandlung in der Gegenwart ergibt in dieser Abfolge überhaupt keinen Sinn mehr, weil sie auf Spiele verweist, die Sie noch gar nicht gespielt haben. Und Odyssey spielt zeitlich vor Origins, obwohl es später erschien – die Reihenfolge ist also nicht so sauber, wie es auf den ersten Blick wirkt.

Meine Position: Der chronologische Weg taugt für ein zweites Durchspielen, nicht für das erste.

Wie viele AC-Teile gibt es?

Bei den Hauptteilen stehen wir inzwischen bei 13 nummerierten beziehungsweise benannten Hauptspielen – je nachdem, wie man Mirage und Shadows zählt. Rechnet man die größeren Ableger wie Liberation, Rogue, Freedom Cry und Chronicles mit, kommt man auf über 20 eigenständige Titel, die jeweils eine eigene Epoche abdecken.

Was viele unterschätzen: Der Umfang pro Spiel ist in den letzten Jahren explodiert. Origins, Odyssey und Valhalla sind jeweils locker 60 bis über 100 Stunden, wenn man nicht durchrast. Valhalla allein hat bei mir 87 Stunden gebraucht, und ich habe bei Weitem nicht alles gesehen. Wenn Sie also vorhaben, „mal eben" alle Teile nachzuholen, sollten Sie realistisch planen.

  • Kurz und knackig: Mirage, Rogue, Liberation – meist 12 bis 20 Stunden
  • Mittelklasse: die Ezio-Trilogie, AC III, Black Flag – je 20 bis 30 Stunden
  • Großformat: Origins, Odyssey, Valhalla – je 60 bis über 100 Stunden

Über alles hinweg komme ich auf eine Gesamtspielzeit von über 400 Stunden, wenn Sie wirklich jeden Hauptteil durchspielen. Das ist keine Nebensache, das ist ein halbes Jahr Feierabende.

Welches ist der beste Assassin's Creed Teil?

Auf diese Frage gibt es keine objektive Antwort, und jeder, der eine präsentiert, verkauft Ihnen eine Meinung als Fakt. Ich habe meine – und ich stehe dazu.

Welches ist der beste Assassin's Creed Teil?

Black Flag (2013) ist für mich der beste Teil der Serie. Warum? Weil es das einzige Spiel ist, das seine Mechaniken vollständig aus seinem Setting heraus entwickelt. Sie sind Pirat, Sie segeln, Sie kapern Schiffe, und das Schiffsgameplay ist so gut, dass es fast ein eigenes Spiel tragen könnte. Ich habe damals mehr Zeit mit dem Ausbau meiner Crew verbracht als mit der eigentlichen Story, und ich bereue nichts.

Für Einsteiger, denen Black Flag zu altbacken ist, empfehle ich Origins. Es ist der Punkt, an dem die Serie sich neu erfunden hat, das Kampfsystem ist direkter als in den Vorgängern, und die ägyptische Kulisse trägt das Spiel über weite Strecken. Wer dagegen eine dichte, lineare Erzählung will, kommt an der Ezio-Trilogie nicht vorbei – auch wenn die Steuerung von 2010 sich heute etwas sperrig anfühlt.

Eine kleine Entscheidungshilfe

Spielertyp Empfohlener Einstieg Warum
Kompletter Neueinsteiger Origins Modernes Kampfsystem, überschaubarer Umfang, eigenständige Story
Story-Liebhaber AC II / Brotherhood Die Ezio-Trilogie erzählt einen der stärksten Handlungsbögen der Serie
Action-Fan Black Flag oder Odyssey Direktes Gameplay, viel Freiheit, wenig Leerlauf
Historisch Interessierter Mirage Bagdad des 9. Jahrhunderts, kompakter Umfang als Valhalla
Hardcore-Fans der ersten Stunde AC (2007) Nur, wenn Sie die Ursprünge wirklich miterleben wollen

Welches ist das aktuellste Assassin's Creed?

Das jüngste Hauptspiel ist Assassin's Creed Shadows, das im feudal-japanischen Zeitalter spielt. Es ist das erste Spiel der Reihe, in dem Sie zwischen zwei Hauptfiguren wechseln können – einer Shinobi und einem Samurai – und es setzt den Weg der großen offenen Welt fort, den Origins eingeschlagen hat.

Davor erschien Mirage, das als bewusster Gegenentwurf zu den ausufernden Valhalla-Umfang konzipiert war: kleiner, linearer, näher am Ursprung der Serie. Ich habe Mirage in etwa 16 Stunden durchgespielt und fand die Straffung wohltuend – auch wenn das Spiel erzählerisch nicht an die großen Vorgänger heranreicht.

Wer den kompletten Überblick behalten will, sollte sich die Reihenfolge der letzten Jahre einprägen: Valhalla → Mirage → Shadows. Das ist die aktuelle Linie der Hauptspiele, und sie bauen erzählerisch lose aufeinander auf.

Welches ist das brutalste Assassin's Creed Spiel?

Wenn es um rohe Gewaltdarstellung geht, ist Valhalla der Kandidat. Das Spiel inszeniert die Wikingerzeit mit einer Härte, die an einigen Stellen deutlich über das hinausgeht, was die Serie vorher gezeigt hat. Enthauptungen, blutige Exekutionen, ganze Siedlungen, die buchstäblich niedergebrannt werden – das ist schon eine andere Hausnummer als die choreografierten Duelle der Ezio-Ära.

Welches ist das brutalste Assassin's Creed Spiel?

Ein Wort der Vorsicht: „Brutal" ist ein schwammiger Begriff. AC III hat zum Beispiel Szenen, die thematisch härter sind – die amerikanische Revolution und ihre Gewalt werden dort sehr direkt gezeigt. Und Shadows hat mit seinen Waffensystemen ebenfalls kräftig zugelegt. Wenn Sie das explizit Brutalste wollen, greifen Sie zu Valhalla. Wenn Sie das Unangenehmste im erzählerischen Sinn meinen, zu AC III.

Die chronologische Reihenfolge im Detail

Wer tatsächlich in historischer Abfolge spielen will, sollte folgende Epochen-Reihenfolge im Kopf haben. Ich habe die wichtigsten Punkte aufgelistet, nicht jeden Ableger – Liberation und Freedom Cry etwa sind ausgelagerte Kapitel, die Sie im Verlauf der Hauptspiele einordnen können.

  1. Odyssey – 431 v. Chr., Peloponnesischer Krieg
  2. Origins – 49 v. Chr., Ptolemäerägypten
  3. Mirage – 9. Jahrhundert, Bagdad
  4. Valhalla – 9. Jahrhundert, England und Skandinavien (überschneidet sich zeitlich mit Mirage)
  5. AC (2007) – Dritter Kreuzzug, Heiliges Land
  6. AC II, Brotherhood, Revelations – Renaissance bis frühes 16. Jahrhundert
  7. Black Flag – frühes 18. Jahrhundert, Karibik
  8. Rogue – Mitte des 18. Jahrhunderts, Nordamerika
  9. AC III – Amerikanische Revolution, spätes 18. Jahrhundert
  10. Unity – Französische Revolution
  11. Syndicate – Viktorianisches London
  12. Shadows – Feudaljapan

Und jetzt die unbequeme Wahrheit: Diese Reihenfolge ist zwar historisch korrekt, aber erzählerisch ein Chaos. Die Rahmenhandlung, die in jedem Spiel in der Gegenwart spielt, verweist auf Ereignisse aus Spielen, die Sie dann noch nicht kennen. Ich habe das einmal versucht und nach Valhalla frustriert abgebrochen, weil ich das Gefühl hatte, eine Geschichte rückwärts zu lesen.

Für mich ist die Sache klar: Chronologisch spielt man erst, wenn man die Serie schon kennt. Für alles andere nehmen Sie die Release-Reihenfolge – und steigen dort ein, wo sie am besten funktioniert.

Fragen, die mir oft gestellt werden

Ist die Reihenfolge wichtig?

Teilweise. Die meisten Spiele funktionieren eigenständig, weil jede Epoche ihre eigene Geschichte erzählt. Ausnahmen: die Ezio-Trilogie (AC II, Brotherhood, Revelations) muss in dieser Abfolge gespielt werden, sonst verlieren Sie den Faden. Dasselbe gilt für die Kenway-Spiele AC III, Black Flag und Rogue – sie hängen lose zusammen. Alles andere können Sie nach Interesse auswählen.

Fragen, die mir oft gestellt werden

Welche Teile kann man überspringen?

Ehrlich gesagt: Assassin's Creed (2007) ist der einzige Teil, den ich heute wirklich überspringen würde. Es sei denn, Sie wollen das historische Fundament der Serie verstehen. Auch Revelations ist für mich verzichtbar, wenn Sie mit der Ezio-Story nicht warm werden – es ist eher ein Epilog als ein eigenständiges Spiel.

Welche Reihenfolge gilt auf der PS4?

Die Plattform ändert an der Reihenfolge nichts, aber sie bestimmt, welche Titel Sie überhaupt spielen können. Auf der PS4 laufen von den älteren Spielen nur die Remaster – etwa die Ezio Collection, AC III Remastered und Black Flag. Origins, Odyssey und Valhalla sind vollständig verfügbar, Mirage und Shadows ebenfalls. Wenn Sie die ganz alten Titel im Original spielen wollen, brauchen Sie eine PS3 oder einen PC.

Für den praktischen Einstieg auf der PS4 empfehle ich: Ezio Collection → Black Flag → Origins → Odyssey. Das ist eine Route, die funktioniert und Sie nicht mit einem 15 Jahre alten Steuerungsschema quält.

Fazit: Es gibt nicht die eine Reihenfolge

Wer nach der perfekten Assassin's Creed Reihenfolge sucht, sucht nach etwas, das es nicht gibt. Es gibt die Reihenfolge, die zu Ihnen passt – und die hängt davon ab, ob Sie Geschichte, Gameplay oder Erzählung in den Vordergrund stellen. Wenn Sie mich fragen: Fangen Sie mit Origins an, arbeiten Sie sich über Black Flag und die Ezio-Trilogie vor, und lassen Sie sich Zeit. Die Serie ist kein Sprint, sie ist ein Marathon durch zweieinhalbtausend Jahre.

Und wenn Sie irgendwann das Gefühl haben, dass Sie die Rahmenhandlung nicht mehr durchblicken: Das geht fast allen so. Ich habe nach all den Jahren aufgehört, sie vollständig verstehen zu wollen – und das Spielen hat mir danach mehr Spaß gemacht, nicht weniger.